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1050 Jahre Hettensen in Wort und Bild

-- 28. Mai bis 1. Juni 2003 --





Hettensen-Medaille zum 1050. Geburtstag

Diese Medaille wurde mit einem mittelalterlichen Fallhammer in Bronze und Silber vor Ort geprägt




Festprogramm 28. Mai bis 1. Juni 2003





Northeimer Neueste Nachrichten vom 10. Mai 2003




Göttinger Tageblatt vom 28. Mai 2003




Northeimer Neueste Nachrichten vom 1. Juni 2003




Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003



Northeimer Neueste Nachrichten vom 2. Juni 2003




Göttinger Tageblatt vom 3. Juni 2003




Das folgende Gedicht wurde unserer Ortschaft gewidmet von
Frau Helga Schneider aus Bad Sooden-Allendorf



1050 Jahre Hettensen

Ja, was wäre Hardegsen ohne Hettensen,
doch da liegt mir nahe,
was wäre Hettensen ohne Bürgermeister Glahe.
Solch ein Fest kann nur entstehen,
wenn alle Bürger ein Ziel nur sehen.
Es soll ein Fest werden, was keiner bereut
und wovon man redet eine lange Zeit.
So ist es nun ja auch gewesen,
in allen Zeitungen konnte man es lesen.

Die Jugend begann mit lautem Tam-Tam,
bis zum frühen Morgen dann.
Der liebe Gott uns gutes Wetter versprach
zum Gottesdienst am Himmelfahrtstag.
Er fand auf der grünen Wiese statt,
die Kirche hätt' nicht alle Besucher gefasst.
Sehr abwechslungsreich wurden wir unterhalten,
mit Predigten und musikalischen Gestalten.
Nach einem gemeinsamen Gebet kam ein gemeinsames Essen,
auch das wird keiner so schnell vergessen.
Für den Durst gab es kühle Getränke,
aber keiner ging über Tisch und Bänke.

Die Bilddokumentation war mit viel Arbeit verbunden,
Einige hatten Bilder und Schriften von früher gefunden.
Viele sahen sich selber auf den Bildern vor 50, 60 Jahren,
wie abgearbeitet sie alle waren.
Der Krieg hatte große Wunden hinterlassen,
die Jugend von heute kann das alles kaum fassen.

Am Samstag dann die Kaffeetafel im Mehrzweckraum,
der fasste die Besucher kaum.
Aus Eberhausen der Gitarrenchor
war ein Genuss für jedermanns Ohr.

Dann wurde ein Kranz zum Ehrenmal gebracht
und der Toten beider Kriege gedacht.
Mit stillem Gedenken und einem Gebet
in der Hoffnung, dass es nie einen Krieg wieder gibt.

Am Abend dann Kommers und Tanz auf dem Saal,
die Ansprachen sehr gut, doch dann kam der Ball.
Die Hitze war fast unerträglich,
die Teilnahme am Tanz daher nur kläglich.
Trotzdem ging es bis tief in die Nacht,
keiner hat da an morgen gedacht.

Denn Sonntag war historischer Markt,
an diesem Tag waren die Ritter sehr stark.
Sie kämpften bis einer zum Liegen kam,
die bleiernen Gewänder machten sie lahm.
Auch Minnesänger kamen in Fahrt,
die Lieder von Liebe haben ihre eigene Art.
Pfeil und Bogen im Zelte dort lagen,
doch einen Apfel auf dem Kopf hat keiner getragen.

Viele Handwerker aus früherer Zeit
standen auch für uns bereit.
Sie zeigten, wie man einst die Schuhe besohlte,
wie der Schmied das Eisen aus dem Feuer holte,
um ein Pferd zu beschlagen,
die Kuh beschlich dabei ein Unbehagen.
Auf alten Spinnrädern wurde Garn gesponnen,
man schaute zu, so ganz versonnen,
ging weiter und stand vorm Waffelbäcker,
ich muss schon sagen, die waren lecker.
Die knusprigen Brötchen von Bäcker Fuß
waren ebenfalls ein Hochgenuss.
Der Korbmacher präsentierte Körbe aller Art,
doch um zu überleben ist dieser Beruf schon hart.
Alte Stühle bekamen einen neuen Sitz,
ausgeflochten mit viel Geschick.

Dann die Prägung der Münzen in Bronze, Silber und Gold,
selbstverständlich hat man sich eine geholt.
Nicht zu vergessen das Schwein am Spieß,
gern man sich dort ein Stück geben ließ.
Die Schlange war lang, alle mussten warten,
auf den leck'ren Schweinebraten.

Autoscooter und Karussel
waren natürlich auch zur Stell'.
In Crepes-, Fisch- und Würstchenständen
gab es nur fleißige Hände.

Einige haben ganz verschmitzt gelacht,
sie waren kaum zu erkennen in ihrer Tracht.
Den Landvogt, das möchte ich noch betonen,
müsste man eigentlich belohnen,
und allen, die ihm gingen zur Hand,
gebührt ebenfalls ein großer Dank.

Ein jeder gab hier das Allerbeste,
bei diesem herrlichen, friedvollen Feste.
Es gab keinen Zank und Streit,
überall herrschte Einigkeit.
Beim Feuerwerk zum guten Schluss,
fiel dann so mancher Schuss.
Man davon wohl noch lange zehrt,
denn damit wurd' das Fest geehrt.

In 50 Jahren, wenn wir nicht mehr da,
ist es sicher die Kinder und Enkelschar,
die alles richtet und alles lenkt
und im Stillen auch an heute mal denkt.









Konzert des Gitarrenchores Eberhausen am 31. Mai 2003
Foto: Dieter Daemelt



Festlegung der Marktordnung für den 1. Juni 2003
Foto: Marianne Abler



Eröffnung des Historischen Marktes am 1. Juni 2003
Foto: Ulrich Geffers



Das Bogenschießen - nicht so einfach...
Foto: Ulrich Geffers



Flechten - eine alte Kunst.
Foto: Ulrich Geffers



Ein besonderer Anziehungspunkt: Alte Waffen
Foto: Ulrich Geffers



Die Junior-Waffelbäcker
Foto: Ulrich Geffers



Färben von Wolle
Foto: Ulrich Geffers



Die letzte Hettenser Kuh wird beschlagen
Foto: Christoph Papenheim



Vorbereitung der Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen
Foto: Ulrich Geffers



Hanomag-Schlepper Baujahr 1950
Foto: Ulrich Geffers



Saubraten zum Mittagessen
Foto: Christoph Papenheim



Ein Schwert wird geschmiedet
Foto: Ulrich Geffers



Die Recken bereiten sich auf den Kampf vor
Foto: Ulrich Geffers



Kampf der Ritter
Foto: Ulrich Geffers



Brotzeit der Darsteller und Händler
Foto: Ulrich Geffers



Kaffeepause im Schatten
Foto: Ulrich Geffers



Mit einem wunderschönen Feuerwerk klang das Fest am 1.6. gegen Mitternacht aus
Foto: Ulrich Geffers







Festrede des Ortsbürgermeisters
am Kommersabend der 1050-Jahr-Feier
31. Mai 2003


Sehr geehrter Herr Landrat, sehr geehrter Herr Bürgermeister und Mitglieder des Rates, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kinder, werte Gäste!

Ich freue mich, Sie auch im Namen des Festausschusses zum Kommersabend anlässlich des 1050. Geburtstages unserer Ortschaft sehr herzlich hier in Hettensen begrüßen zu dürfen.

Die vergangenen Tage haben uns gezeigt, dass sowohl die Hettenser als auch die Bewohner der Nachbargemeinden regen Anteil an den bisherigen Festveranstaltungen genommen haben. Dies ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass Hettensen nach wie vor eine Ortschaft ist, in der es sich zu leben lohnt. Es ist eben ein liebenswertes Stückchen Land, das vielerorts geschätzt wird und mit dem man sich identifizieren kann.

Ich würde es begrüßen, wenn Sie auch morgen, am Tag des Historischen Marktes mit seinen attraktiven Angeboten, wieder bei uns wären und den letzten Veranstaltungstag gemeinsam mit uns verbringen könnten.

Den Mitgliedern des Festausschusses, die diese Feierlichkeiten vorbereitet haben, möchte ich an dieser Stelle für die geleistete uneigennützige und harmonische Zusammenarbeit ausdrücklich danken.

Der Ausschuss hat in seinen Sitzungen nach einem praktikablen Weg gesucht, wie man den 1050. Geburtstag der Gemeinde Hettensen angemessen begehen kann.

Bei der Zusammenstellung eines möglichst attraktiven Angebotes hat natürlich immer wieder auch die Einschätzung anfallender Kosten im Vordergrund gestanden. Ich denke, wir haben bei dieser Abwägung einen goldenen Mittelweg gefunden.

Es ist erfreulich, dass eine Materialsammlung zur Geschichte unserer Ortschaft zusammengestellt werden konnte. Im Vordergrund standen dabei die Informationen und nicht wissenschaftliche Kriterien.

Durch das Zusammenwirken von Lebensbildern, überlieferten Fakten, Erzählungen sowie der Zeitleiste kann jeder den Werdegang unserer Ortschaft nachvollziehen und sich in die jeweilige historische Situation, in der sich die Dorfbewohner befunden haben, hineinversetzen.

All denen, die mit ihren Informationen, Überlieferungen, Unterlagen und sonstigen Hilfestellungen die Entstehung dieser Materialsammlung unterstützten, möchte ich an dieser Stelle nochmals ein ‘Dankeschön’ sagen.

In diesen Dank schließe ich selbstverständlich auch diejenigen mit ein, die Photos aus ihren privaten Sammlungen für die Bilddokumentation “Hettensen im Wandel der Zeit” zur Verfügung gestellt haben.

Diese Bild- und Schriftdokumente, zusammengefasst in der gestern gezeigten Präsentation, ermöglichen es, Alt-Hettensen zu “durchwandern” und einem Teil seiner ehemaligen Bewohner und Originale nochmals zu begegnen.

Ich denke, dass so ein Teil Ortsgeschichte wieder lebendig und nachvollziehbar geworden ist.



II.

In meinem jetzt folgenden Bericht aus der Vergangenheit unserer Ortschaft werde ich mich bemühen, die von mir ‘ausgewählten Momentaufnahmen Hettenser Geschichte’ möglichst gerafft - aber angemessen - darzustellen.

Da Hettensen am 26. Juni 952 in einer Tauschurkunde im Urkundenbuch des Eichsfeldes erwähnt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass der Ort noch älter sein dürfte. Einen Beleg hierfür gibt es allerdings nicht.

Festzustellen ist aber, dass auch in jener Zeit nur das getauscht wurde, wovon man sich einen wirtschaftlichen oder strategischen Vorteil versprach.

Die Annahme, dass ein Teil unserer Vorfahren unter anderem aus der ehemaligen Ortschaft Friwole stammt und an dieser Stelle gesiedelt hat, lässt sich zwar nicht beweisen, doch sie gilt als relativ wahrscheinlich.

Die Ursprünge der Siedlungsfläche Hettensen sind im Bereich der ehemaligen Mühle, dem heutigen Resthof Falke, zu suchen. Nach einer Feuersbrunst und auf Grund der Tatsache, dass die feuchte Niederung der Schwülme häufiger überschwemmt wurde, verlagerte man bei künftigen Bauvorhaben seine Aktivitäten in den Bereich des Wemmelhofes. [Erklärung für Jung- und Neubürger: Dies ist im Wesentlichen die Fläche zwischen der Lödingser Straße und der Bornbreite zwischen den Grundstücken Wolfgang Heine und Harald Fricke].

Dort bildete sich etwa seit Beginn des 18. Jahrhunderts der neue Ortskern mit Kirche, Friedhof, Schule und Wohnhäusern heraus. Recht bemerkenswert ist, dass die Schwülme noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts zwischen dem heutigen Grundstück Peter Henzler [Wassergasse] und etwa dem Grundstück Wilhelm Wasmuth bzw. Martin u. Susanne Wagner [Kaineweg 1/ 3] in zwei Armen durch das Ortsgebiet floss.

Aus einer Zeichnung des Lehrers Huß, die die Ausdehnung der Siedlungsfläche Hettensen um 1900 zeigt und von der mir Hans-Peter Hübner freundlicherweise eine Kopie zur Verfügung gestellt hat, ist zu entnehmen, dass der zweite Arm des Baches zu diesem Zeitpunkt schon wieder trocken gelegt worden war. Diese Trockenlegung des zweiten Schwülmearmes muss demnach vor 1900, jedoch nach 1865 erfolgt sein, da eine Karte aus jener Zeit noch den verzweigten Flusslauf zeigt.

Im Verlauf seiner weiteren Besiedlung dehnte sich der Ort vorrangig flussaufwärts entlang der Schwülme aus.

Eine dichtere Bebauung ist eigentlich erst nach 1900 festzustellen. Ein weiterer deutlicher Schub erfolgte dann in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg:

Im ersten Nachkriegsjahr lebten bereits über 1.000 Menschen in Hettensen. Auf Grund der Wohnungsnot stellte die Gemeinde schrittweise Baulandflächen zur Verfügung, so dass auch die Familien, die aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten vertrieben wurden, wieder sesshaft werden konnten. In dieser Zeit sind die Flächen der Oberen Siedlung (Nordring) und der Unteren Siedlung (Wiesenstraße) baureif gemacht und alsbald bebaut worden.

Da die Kessellage der Ortschaft nur eine behutsame Erweiterung des Siedlungsraumes zulässt, sind später weitere Baulandflächen am Ascher Berge (Mühlenberg), an Oehlmanns Berg (Sonnenweg) und im Bereich Hinter den Höfen hinzugekommen.

Eine Bebauung der so genannten Buehwiesen erscheint mittelfristig fraglich, da die für eine Erschließung notwendigen Gelder vorerst wohl nicht zur Verfügung gestellt werden können.

Soviel zur baulichen Entwicklung.



III.

Was aber war typisch für Hettensen und seine Bewohner?

Die Sozialstruktur der Ortschaft bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts ist einfach darzustellen, wobei der Blick auf unser Ortswappen, das der Gemeinde Hettensen erst im Jahre 1951 verliehen wurde, schon Wesentliches verrät:

Die überwiegende Anzahl der Einwohner lebte von der Flachsgewinnung [Flachs-Rottekuhlen in den Raten], dem Sammeln von Beeren und Kräutern, einer landwirtschaftlichen Tätigkeit sowie der Lohnarbeit auf dem Rittergut. Nur wenige Bauern und Handwerker rundeten das Bild ab. [Unterschied erklären: Bauer - Landwirt; Kuhbauern - Ziegenbauern]

Bewegung kam in der Mitte des 19. Jahrhunderts in dieses Gefüge, als auf der nahe gelegenen Bramburg mit dem Abbau von Basaltgestein begonnen wurde. Da in den Steinbrüchen fast ausschließlich Handarbeit betrieben wurde, benötigten die Betreiber des Bruches naturgemäß eine große Anzahl von Arbeitskräften. Diese fand man in den umliegenden Ortschaften - so also auch in Hettensen.

Die körperlich sehr anstrengende Arbeit im Bruch war zwar mitunter gefährlich, sicherte jedoch der Bevölkerung ein geregeltes und relativ unabhängiges Einkommen.

Der harte Arbeitsalltag in den Steinbrüchen auf der Bramburg schweißte die Männer, die dort arbeiteten, zusammen. Der Begriff der Solidarität war für die “Bramburger” nicht nur eine Floskel. Man hielt zusammen und trat mitunter, so ist überliefert, auch massiv der Betriebsleitung des Basaltwerkes entgegen, wenn die Arbeitsbedingungen nicht mehr akzeptabel erschienen.

Das dort praktizierte und verinnerlichte Soldaritätsprinzip führte unter anderem auch dazu, dass die Steinarbeiter eine landwirtschaftliche Selbsthilfeeinrichtung, die Ackerbaugenossenschaft Hettensen e.G.m.b.H., bildeten.

Die Genossenschaft mit Sitz im ehemaligen Schafstall des Rittergutes wurde in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründet und hatte bis 1966 Bestand. [Der Schafstall ist das heutige Betriebsgebäude der Zimmerei Brodkorb & Krull in der Ellieröder Straße].

Nahezu alle “Bramburger” führten eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft und waren Mitglied der “Ackerbau”, wie die Genossenschaft im Volksmund bezeichnet wurde. Diese Einrichtung stellte sicher, dass die Landflächen -ohne weiterhin von den sog. Bauern abhängig zu sein- bewirtschaftet werden konnten. Durch die zusätzlichen Einkünfte aus der Nebenerwerbslandwirtschaft war es den Steinarbeitern möglich, ihre Lebenshaltungskosten deutlich zu senken und einen gewissen Wohlstand zu erlangen. Die zahlreichen Nebenerwerbsbetriebe sicherten der Hettenser Bevölkerung gerade in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg eine relativ gute Versorgung mit Grundnahrungsmitteln.

Dass damals nicht alles in Einklang mit den bestehenden Gesetzen gestanden hat, belegen zahlreiche mündliche Überlieferungen. So genannte Schwarzschlachtungen wurden hinter verdunkelten Fenstern und ohne Hinzuziehung eines Fleischbeschauers vollzogen.

Da auch Öle und Fette in der 'Schlechten Zeit' rar gewesen sind, wurde, wenn auch illegal, nach dem Auswechseln der Mühlsteine in einem örtlichen Klein-Mühlenbetrieb zentnerweise Raps für die Bewohner des Dorfes gemahlen.

Andere hatten sich darauf spezialisiert, Schnaps aus Kartoffeln oder Rüben zu brennen. Große Mengen dieses Eigenerzeugnisses fanden trotz des manchmal etwas eigenwilligen Geschmacks ihre Konsumenten. Selbst ein Landgendarm, der Schwarzbrenner aufzuspüren suchte, soll bei einem Inspektionsgang durch Hettensen nicht unerhebliche Mengen davon zu sich genommen haben.

Dies zeichnet ein eindeutiges Bild:
Die Bevölkerung hielt als Solidargemeinschaft -auch gegenüber der Staatsgewalt- zusammen, machte aus der Not eine Tugend und organisierte das “Überleben” (vielleicht sollte ich besser sagen, “das Sattwerden”) mittels eigener Strategien.

Was Solidarität bedeuten kann, wird in den Nachkriegsjahren [1945 ff.] in einer weiteren Dimension deutlich:
Unabhängig von der Bereitstellung der Siedlungsflächen haben die angestammten Bewohner unserer Ortschaft die in den Nachkriegsjahren zugezogenen Neubürger, die in erster Linie aus Pommern, Ostpreußen und Schlesien stammten, voll in das Sozialgefüge der Gemeinde integriert.

Nicht nur auf der Bramburg, wo die Heimatvertriebenen ihre erste Beschäftigung fanden, sondern auch gerade in den örtlichen Vereinen wurden sie als belebendes Element freundlich aufgenommen. Ohne diese Menschen würden unserem Sozialgefüge zum gegenwärtigen Zeitpunkt wesentliche Faktoren fehlen.

Die Erwerbsstruktur stellt sich heute vollkommen anders dar, da sowohl die Vollerwerbs- als auch die Nebenerwerbslandwirtschaft keine wesentliche Rolle mehr spielt. Hinzu kommt, dass, bedingt durch andere Produktionsverfahren, der Arbeitskräftebedarf in den Steinbrüchen auf der Bramburg deutlich zurückgegangen ist. Die überwiegende Anzahl der Berufstätigen pendelt zu den Arbeitsplätzen in Handel, Handwerk, Industrie und im öffentlichen Dienst in die größeren Städte Northeim und Göttingen.



IV.

1050 Jahre sind ein langer Zeitraum in unserem Denken - waren es doch immerhin etwa 50 Generationen, die unseren Ort gegründet, aufgebaut, ausgebaut und modernisiert haben.

Und heute, an diesem denkwürdigen Tag, sollten wir uns noch eines verdeutlichen:
Geschichtliche Prozesse sind keine Selbstläufer, Geschichte ist kein starres, kein vorgeprägtes Gebilde. Geschichte, und hier meine ich die Ortsgeschichte, wird vielmehr von Menschen geschrieben; geschichtliche Abläufe können also von uns beeinflusst, mit-gestaltet werden.

Unsere Ortschaft hat nunmehr erfolgreich 1.050 Jahre Geschichte geschrieben. Das liegt in erster Linie daran, dass sich immer wieder Bürgerinnen oder Bürger gefunden haben, die bereit waren, dieses Gemeinwesen zu formen. Sie haben es verstanden, sowohl in der Zeit der Not als auch in Zeiten eines vermeintlichen Wohlstandes Dinge auf den Weg zu bringen und diese mit Beharrlichkeit zu verfolgen.

Gerade deshalb scheint es mir geboten, heute derer zu gedenken, die nicht mehr unter uns weilen. Durch ihr Wissen, ihren Einsatz und ihre Standhaftigkeit haben sie mit dazu beigetragen, dass unsere Ortschaft sich stetig weiter entwickeln konnte.

Diesen Menschen gilt unser Dank.

Ich bitte Sie, sich zum Zeichen des Gedenkens von Ihren Plätzen zu erheben und in einem Augenblick der Stille zu verharren.

Ich danke Ihnen.



V.

Die Ortschaft Hettensen steht in der Gegenwart nicht mehr allein, da sie den Status einer selbstständigen Gemeinde im Jahre 1974 eingebüßt hat. Die Verwaltungs- und Gebietsreform hat andere Zuständigkeiten und Abhängigkeiten geschaffen, mit denen wir seit nunmehr fast dreißig Jahren leben.

Dabei ist ein Unterschied festzustellen:
Wenn früher, also zu Zeiten der selbstständigen Gemeinde Hettensen, ein Beschluss protokolliert wurde, dann war in der Regel später festzustellen, dass dieser auch umgesetzt worden war.

Heute sorgt allein der innerbetriebliche Verwaltungsgang in Verbindung mit einer unzulänglichen Finanzausstattung für zum Teil erhebliche Verzögerungen - wenn denn ein Beschluss unseres Ortsrates überhaupt umgesetzt werden soll.

Wir hoffen, dass sowohl seitens der Verwaltung als auch seitens der gewählten Ratsvertreter stets daran gedacht wird, dass auch die Menschen in Hettensen an einer Weiterentwicklung ihrer Ortschaft interessiert sind und dass sie diese auch ausdrücklich wünschen.

Von einer Gleichberechtigung und demzufolge von einer Gleichbehandlung gehen wir, wenn auch nur an der Peripherie des Stadtgebietes gelegen, in Zukunft weiterhin aus.

Wir ziehen die Lehren aus unserer Geschichte, wenn wir stets darum bemüht sein werden, unser Kleinod am Fuße der Bramburg stets mit den Mitteln auszustatten, wie es für ein zukunftsorientiertes Gemeinwesen unabdingbar ist. Dieses Ziel im Auge zu behalten und engagiert dafür einzutreten, soll auch künftig eine Verpflichtung sein.

Mittelfristig denke ich dabei in erster Linie an eine Verbesserung des zum Teil desolaten Straßen- und Wegesystems unserer Ortschaft. Der Ausbau dieser innerörtlichen Straßen sollte Vorrang haben vor der Erschließung neuer prestigeträchtiger Baugebiete.

Wenn ich die idealtypischen Zielsetzungen der Verwaltungs- und Gebietsreform noch recht im Ohr habe, dann sollte diese Reform u.a. dazu beitragen, das Stadt-Land-Gefälle abzubauen.

Bezüglich der Versorgung hat die Infrastruktur in Hettensen seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts deutlich gelitten:
Wenn wir einst fünf Kaufläden, drei Gaststätten, zwei Banken bzw. Sparkassen, eine Bäckerei und eine Poststelle im Ort hatten, dann ist uns diesbezüglich ein Stück Lebensqualität abhanden gekommen.

Unter Berücksichtigung der relativ schlechten Einbindung des Ortes in den öffentlichen Personennahverkehr ist es besonders den älteren Menschen, aber auch den nicht mobilen Hettensern nur schwer möglich, sich angemessen zu versorgen. Selbst das Telefonnetz auf dem flachen Land entspricht nicht mehr dem in der Kernstadt vorgehaltenen Standard.

Diese strukturellen Schäden sind wohl nur schwerlich, wahrscheinlich aber gar nicht nicht mehr zu reparieren.

Obwohl dies vielleicht etwas pessimistisch klingt, will ich unser aller Augenmerk in die Zukunft lenken:
Wir alle wollen auch weiterhin die in Hettensen schon immer gezeigte und gelebte Solidarität üben, wollen uns auf unsere Ideale besinnen und gemeinsam in die Speichen fassen - in die Speichen des Rades der Ortsgeschichte.

Wir sollten uns auch in der Zukunft darum bemühen, dass der Wagen nicht zum Stillstand kommt. Wenn nicht anders möglich, dann kann ich mir auch vorstellen, dass wir mittels der uns eigenen Energie dringliche Dinge anfassen und diese eigenverantwortlich lösen.

In diesem Sinne gehe ich davon aus, dass wir gemeinsam -wie unsere Vorfahren es uns gelehrt haben- mit der gebotenen Stärke und Beharrlichkeit auch weiterhin an dem Haus bauen werden, mit dem wir uns identifizieren und das uns so am Herzen liegt:
An unserem Haus Hettensen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.






Kranzniederlegung zum Gedenken der Opfer der Kriege
Foto: Artur Hansel


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